Jüdische Gemeinde Karbach

1933 lebten in Karbach 45 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Erste Nachrichten über jüdische Familien in Karbach gehen zurück bis in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1699 zählte man sieben Familien mit 41 Personen unter Würzburger und unter adeligem Schutz, etwa 50 Jahre später waren es neun.

Erst 1820 wurde für die Karbacher Juden eine Matrikelliste erstellt, in die 23 Haushalte aufgenommen wurden. Der Lehrer benötigte keine Matrikelstelle. Bis auf zwei ernährten sich alle Haushaltsvorstände von „Nothandel“, meist mit „Ellenwaren“ (textiler Meterware) oder mit Vieh – ein Indiz für die bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse der Karbacher Juden. Zur gleichen Zeit legte die Gemeinde ihren Friedhof an. Auch im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts bestand sie aus 20 bis 24 Familien mit bis zu 100 Personen, bevor gegen Ende des Jahrhunderts die Abwanderung einsetzte. 1910 gehörten noch 57 Jüdinnen und Juden zur Kultusgemeinde. Ihre Gottesdienste hielt die Gemeinde lange in einem Betraum, bevor sie um 1822 ein Gebäude am heutigen Marktplatz kaufte und bis 1847 mit bescheidenen Mitteln zu einer Synagoge mit Schulzimmer und Lehrerwohnung umgestaltete. Erst 1902 konnte sie einen Teil des Hauses so umbauen, dass der Synagogenraum eine Höhe von zwei Stockwerken erreichte, die den Einbau einer Frauenempore ermöglichte. Neben dem Gebäude befand sich ein Häuschen mit der Mikwe.

Viele Karbacher Jüdinnen und Juden sahen zu Beginn der NS-Herrschaft keinen Handlungsdruck und warteten erst einmal ab. Erst 1936 wanderten zwei Personen aus, 1938/39 folgten fünf weitere Menschen. Ziele waren Palästina (3), die USA (3), Paraguay (1) und ein unbekanntes Land. Sechs Jugendliche zogen zwar für die Chance auf eine Ausbildung nach auswärts, mussten aber meist vor den Deportationen zu ihren Familien zurückkehren. Von drei Frauen, die ebenfalls Karbach verließen, konnte sich wohl nur eine retten. Sechs Menschen starben eines natürlichen Todes. Anfang 1942 lebten nach einem Zuzug noch 29 jüdische Menschen in Karbach.

Im Novemberpogrom verwüsteten SS-Leute aus der Umgebung die Wohnungen der jüdischen Familien und zerstörten das Innere der Synagoge mitsamt dem Kultgerät. Das Gebäude blieb erhalten und wurde 1951 zum Rathaus umgebaut.

30 jüdische Bürgerinnen und Bürger, die 1933 in Karbach gelebt hatten, wurden 1942 aus Unterfranken deportiert, davon 27 direkt aus Karbach . Eine weitere Person ereilte dieses Schicksal an ihrem neuen Wohnort in Deutschland. Karbach hat damit 31 Opfer der Shoa zu beklagen – zwei Drittel der jüdischen Gemeinde von 1933 – , darunter acht Kinder und Jugendliche. Niemand überlebte die Deportationen.

Karbach beteiligt sich mit zwei Koffern am Projekt „DenkOrt Deportationen“. Der lokale Koffer in Karbach erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden des Ortes und stellt sie auf einer begleitenden Tafel mit Fotos vor. Ein zweiter Koffer steht in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt Deportationen” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort des DenkOrts in Karbach: Am Marktplatz zwischen Rathaus (ehem. Synagoge) und Gedenkort über dem ehemaligen Ritualbad

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Karbach
Quellen zu den Gemeindeartikeln

© Recherche und Text: Rotraud Ries, 2026

Shoa-Opfer, die 1933 in Karbach gelebt hatten

Alfred Aron (1873 – 1942)
Flora Aron, geb. Thalheimer (1892 – 1942)
Bertha Berney, geb. Grünbaum (1881 – 1942)
Bertha Berney, geb. Kahn (1893 – 1942)
Berthold Berney (1925 – 1942)
Dina/Tina Berney (1881 – 1942)
Getta Berney (1911 – 1942)
Hans Joachim Berney (1931 – 1942)
Karoline Berney (1879 – 1942)
Max Berney (1883 – 1942)
Moses Berney (1875 – 1943)
Salomon Berney (1877 – 1942)
Samuel Berney (1875 – 1942)
Sophie Berney, geb. Rothschild (1874 – 1942)
Suse Berney (1925 – 1942)
Ida Guttmann (1887 – 1942)
Ingeborg Guttmann (1926 – 1942)
Josef Guttmann (1889 – 1942)
Julius Guttmann (1889 – 1942)
Margot Guttmann (1927 – 1942)
Mathilde Guttmann (1891 – 1942)
Meta Guttmann, geb. Hirsch (1892 – 1942)
Abraham Heippert (1883 – 1942)
Emma Erna Heippert, geb. Berney (1889 – 1942)
Hannchen Heippert, geb. Gottlieb (1889 – 1942)
Hermann Heippert (1884 – 1942)
Jenny Heippert, geb. Schulmann (1894 – 1942)
Martha Heippert (1928 – 1942)
Selma Heippert (1928 – 1942)
Senta Heippert (1925 – 1942)
Sigmund Heippert (1888 – 1942)