Jüdische Gemeinde Zeilitzheim (heute ein Ortsteil von Kolitzheim)

1933 lebten in Zeilitzheim 21 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Die jüdische Gemeinde des Ortes war bereits im 17. Jahrhundert entstanden, unterhielt eine Synagoge, hatte einen Vorgänger und beschäftigte einen Lehrer. Mitte des 18. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Familien auf 12 gestiegen, 1817 wurden 12 Haushalte mit etwa 70 Personen in die Matrikelliste aufgenommen. Seitdem ging die Zahl der Gemeindemitglieder zunächst zurück, erholte sich um 1880 noch einmal und belief sich 1910 auf 54 Personen.

Systematische Entrechtung, wirtschaftliche Boykotte und wachsender Verfolgungsdruck von NS-Staat und -Partei veranlassten 1934/35 zwei Familien, Zeilitzheim zu verlassen. Sie bereiteten sich in Würzburg auf die Emigration vor, die ihnen schließlich auch gelang. Bis 1940 konnten fünf jüdische Zeilitzheimer emigrieren – alle in die USA. Derweil schrumpfte die Kultusgemeinde in Zeilitzheim immer weiter, so dass sie sich 1937 entschied, ihre Synagoge zu verkaufen. Zwei Frauen starben in dieser Zeit eines natürlichen Todes.

Der Pogrom im November 1938 richtete sich vor allem gegen die Wohnungen und ihre jüdischen Bewohner. Vier Personen wurden verhaftet, zwei von ihnen für einige Wochen ins KZ Dachau eingeliefert. Wenig später mussten die jüdischen Besitzer ihre Häuser und Felder verkaufen. Eine weitere, fünfköpfige Familie verließ den Ort im Sommer 1939 Richtung Frankfurt am Main.

Neun jüdische Bürgerinnen und Bürger blieben übrig. Sie wurden 1942 aus Unterfranken deportiert: sieben Personen direkt aus Zeilitzheim, über Würzburg nach Krasniczyn im besetzten Polen. Zwei Frauen mussten die letzten Monate in einer Würzburger Sammelunterkunft verbringen, bevor sie ins Ghetto Theresienstadt verschleppt wurden. Die fünfköpfige Familie, die nach Frankfurt geflohen war, war zu diesem Zeitpunkt bereits von dort ins Ghetto Minsk deportiert worden. Zeilitzheim hat damit 14 Opfer der Shoa zu beklagen, darunter fünf Jugendliche. Niemand überlebte die Deportationen.

Zeilitzheim beteiligt sich mit zwei Koffern am Projekt „DenkOrt Deportationen“. Der lokale Koffer erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden des Ortes. Ein zweiter Koffer aus Zeilitzheim steht in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt Deportationen” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort des DenkOrts: vor dem Rathaus in Zeilitzheim

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Zeilitzheim 
Quellen zu den Gemeindeartikeln 

© Recherche und Text: Rotraud Ries, 2026; mit Unterstützung von Hilmar Spiegel, Elisabeth Böhrer und Elisabeth Singer-Brehm

 

Shoaopfer, die 1933 in Zeilitzheim gelebt hatten

Hannelore Brodmann (1888 – 1944)
Selma Brodmann (1897 – 1942)
Sofie Brodmann, geb. Selig (1856 – 1942)
Ilse Frank (1927 – 1941/43)
Lotte Frank (1927 – 1942)
Margot Frank (1925 – 1941/43)
Martha Frank, geb. Heidelberger (1895 – 1942)
Paul Frank (1923 – 1941/43)
Rudolf Frank (1891 – 1942)
Samuel Frank (1890 – 1941/43)
Trude Frank (1926 – 1942)
Frieda Selig (1897 – 1941/43)
Berta Strauß, geb. Brodmann (1888 – 1942)
Siegfried Strauß (1888 – 1942)